Herkulesarbeit

(Herbert Dombrowski)

‘Botterwoagen, Eierhändler, Schwienedriever, Farkenhändler, Peerhändler’ waren die Erscheinungen im Straßenbild unser heimischen Dörfer. Zu ihnen gesellte sich in den 20er Jahren nach dem 1. Weltkrieg ein neuer Typ in Gestalt eines Petroleumhändlers. Sein Name war Kleine von der Stätte Nr. 47, besser bekannt als ‘Winkelmanns Onkel‘.
Sein Absatzgebiet waren die Dörfer im Hannöverschen wie Haselhorn, Schamerloh, Sapelloh, Kleinen- und Großenvörde und andere Orte, die noch keinen elektrischen Stromanschluss hatten und wie von altersher auf Petroleumleuchten angewiesen waren. Dieser Handel brachte ihm auch den Namen ‘Rockefeller’ ein (nach dem amerikanischen Ölkönig).
Er selbst wohnte in Minderheide, seine Niederlassung aber war ein Schuppen auf der Stätte Nr. 47 in Meßlingen. Hier füllte er das Öl aus den 200-Liter-Fässern in Kannen um; wenn ihm Kinder dabei behilflich waren, bekamen sie 2 Pfennig dafür.

Das Bemerkenswerte ist aber der Transport seines Leucht-Öles:
Das ist ein Kapitel für sich und grenzt an Akrobatik. Man denke und rechne: Auf dem hinteren Gepäckträger seines Fahrrades steht hoch aufgerichtet eine volle 50-Liter-Kanne, zu beiden Seiten baumeln Eimer mit Schmierseife, zusammen auch 25 kg. Dann hängen vorn am Lenker noch Kannen mit 10 - 20 Liter Inhalt, außerdem sind in Taschen untergebracht kleinere Artikel wie Waschpulver u. a. m.
Da das Eigengewicht des ‘lieben guten Petroleum-Onkels’ auch nicht zu verachten war und auch das Fahrgestell seine Pfunde zählte, mussten rundweg 4 1/2 Zentner im Gleichgewicht gehalten werden. Bedenkt man außerdem, dass der Schwerpunkt dieser Last sehr hoch lag und die ‘Padwege’ bei nassem Wetter schon ohne Belastung schwer zu befahren waren, kann man nur über seine Kraftleistung staunen. Asphaltwege wie heute gab es damals noch nicht, manche Wege waren grundlos in der nassen Jahreszeit.
Seines Tagestour betrug meist 40 km, für Onkel Kleine waren das aber nur Klein’igkeiten; dabei fuhr er so gemütlich-sicher und seine Pfeife dampfte dazu so friedlich-freundlich, dass er recht behielt: ‘Dat schall mie moal eyner noamoaken’.